Meisen-Kimonos
Album kuratiert von: Lara Steinhäußer, 2025
2024 wurden dem MAK 28 Meisen-Kimonos und 31 Haoris als Konvolut von der dänischen Sammlerin Henriette Friis geschenkt. Sie wurden 2025 in einer Ausstellung im MAK DESIGN LAB der Öffentlichkeit präsentiert.
Alle dieser leuchtend gemusterten japanischen Kleidungsstücke stammen aus dem 20. Jahrhundert. Sie wurden vorrangig von Frauen getragen und von den 1920er bis 1950er Jahren in Japan hergestellt. Durch die dafür verwendete maschinell gesponnene und verwobene, mit Anilinfarbstoffen bedruckte Schappeseide wurde Seide für eine breitere Bevölkerung erschwinglich. Obwohl ihre Herstellung mit einem arbeitsintensiven Schablonendruck verbunden war, der kunstvoll gefärbte, traditionelle Kasuri- bzw. Ikatgewebe imitierte, waren sie von der Stange in Kaufhäusern erhältlich.
Viele Motive bezogen sich auf den traditionellen japanischen Formenkanon, doch durch ihre zu Beginn des 20. Jahrhunderts ungewohnte Vergrößerung bzw. ihren All-Over-Einsatz am Textil wirkten sie modern. Häufig zeugten die Muster der Meisen-Kimonos auch von den kulturellen Interaktionen Japans und Europas, da Motive europäischer und amerikanischer Kunst- bzw. Kunsthandwerksströmungen adaptiert wurden. Gleichzeitig war der Japonismus bereits in den Jahrzehnten zuvor eine wesentliche Inspirationsquelle für die Künste im Westen gewesen, wie auch Beispiele aus der Wiener Werkstätte bezeugen.
Während das Tragen westlicher Kleidung für Männer in Japan in den 1920ern bereits zur Norm geworden war, waren Frauen in ihren weiblichen Rollen noch viel stärker mit der Bewahrung von Tradition verbunden. Die gemusterten Meisen-Kimonos boten ihnen eine ideale Möglichkeit, sich gleichzeitig modern und traditionell zu präsentieren.