Das MAK Geymüllerschlössel
Album kuratiert von: Kathrin Pokorny-Nagel, 2025
Das Geymüllerschlössel im 18. Wiener Gemeindebezirk (Pötzleinsdorf) ist mit seiner Gartenanlage sowie der Innenausstattung mit Möbeln, Bildern und Uhren aus der Empire- und Biedermeierzeit – allesamt aus der Sammlung des MAK – heute einer der wenigen Orte in Österreich, an denen sich ein originalgetreuer Einblick in die Vielfalt biedermeierlicher Ausstattungskunst bietet. Mit den im Garten präsentierten zeitgenössischen Kunstwerken bildet es ein Ensemble, in dem Natur und Kunst, aber auch historische und zeitgenössische Positionen in Dialog treten.
Friedrich Johann Gottlieb Lieder, Porträt des Freyherr J. Jacob von Geymüller, 1828, MAK Inv.nr. KI 23656
MAK, Public Domain Mark 1.0 Universal
Nach 1808 für den Bankier Johann Jakob Geymüller (1760–1834) als „Sommergebäude“ erbaut, zeigt das Schlössel in seiner Architektursprache die zu Beginn des 19. Jahrhunderts vor allem für Lustgebäude übliche Mischung von gotischen, indischen und arabischen Stilelementen. Der Name des Architekten ist bis heute unbekannt. Das Anwesen blieb bis 1842 im Besitz der Familie Geymüller, ehe es mehrfach die Eigentümer*innen wechselte: 1888 erwarb der Textilfabrikant Isidor Mautner (1852–1930) das Schlössel für seine Ehefrau Jenny (1856–1938) und entwickelte es zu einem wichtigen Treffpunkt der Wiener Gesellschaft, mit rauschenden Festen und Musik- und Theateraufführungen. Das Who’s who der Wiener Kunstwelt um 1900 ging hier ein und aus. 1929 musste das Gebäude an die Oesterreichische Nationalbank verpfändet werden. Nach dem „Anschluss“ 1938 verloren Mautners jüdische Erben ihre Bürgerrechte und flohen vor den Verfolgungen des NS-Regimes. Die Hypothek ging auf die Deutsche Reichsbank über, die das Gebäude 1944 übernahm.
Innenansicht
MAK/Mika K. Wisskirchen, CC BY-NC-ND 4.0
Nach dem Zweiten Weltkrieg drohte das Geymüllerschlössel zu verfallen. 1947 übernahm Franz Sobek (1903–1975), damaliger Leiter der Österreichischen Staatsdruckerei und leidenschaftlicher Sammler von Biedermeierkunst, das Gebäude unter der Bedingung, es auf eigene Kosten zu restaurieren und mit Objekten aus seiner Sammlung auszustatten. 1965 überließ Sobek seine Sammlung schließlich der Republik Österreich und das Schlössel wurde dem MAK als Außenstelle übergeben. Die Sammlung wurde unter der Bezeichnung „Geymüller-Schlössel – Sammlung Sobek“ inventarisiert, darunter auch die bedeutende Uhrensammlung.
Seit der Öffnung des Schlössels für die Öffentlichkeit im Jahr 1968 wird das historische Interieur kontinuierlich erforscht und restauriert. Die Räume wurden entsprechend einer typischen Raumfolge der Biedermeierzeit eingerichtet – darunter Speisesaal, Schlafzimmer, Salon oder Arbeitszimmer – und mit historischen Möbeln aus der Sammlung des MAK ausgestattet. Gemeinsam mit den Möbeln, Textilien und Uhren vermittelt die Ausstattung des Geymüllerschlössels heute einen anschaulichen Eindruck der Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts.
Zur ausführlichen Geschichte des Geymüllerschlössels siehe auch hier.

