Gitterobjekte der Wiener Werkstätte
Album kuratiert von: Anne-Katrin Rossberg, 2026
Bald nach Gründung der Wiener Werkstätte (WW) 1903 entstanden die ersten „Gitterobjekte“ aus weiß lackiertem, perforiertem Eisenblech. Josef Hoffmann und Koloman Moser entwarfen Vasen, Tafelaufsätze, Henkelkörbe oder auch mannshohe Blumenständer. Das perforierte Blech war ein idealer Werkstoff für die in der Frühzeit charakteristischen geometrischen Objekte, die oft wie Mini-Architekturen erscheinen – Hochhäuser, Brücken oder Türme.
Sie zählten zu den erschwinglicheren Produkten der WW und wurden gerne gekauft. Sie wurden auch extra beworben – auf eigenen Karten mit Abbildung und Beschreibung im subtilen Grafikdesign der frühen WW. Die Herstellung der Gitterobjekte in großer Stückzahl übernahm später die Blech- und Metallwarenfabrik Christoph Cloeter. Es gab auch Gitterobjekte aus perforiertem Silber: Der erste Gegenstand dieser Art war ein einfacher Serviettenring nach einem Entwurf von Koloman Moser.
Der strenge Raster wurde bald durch darin eingesetzte Blüten-, Efeu- und Kleeblattmotive belebt, glatt herausgestanzt oder dreidimensional herausgetrieben („gebuckelt“). Man spielte mit diesen Gestaltungsmöglichkeiten genauso wie mit den Funktionen der Gegenstände: Sie waren zugleich Blumenständer und Vogelkäfig, Vase und Lampe oder Aufsatz für Blumen und Gebäck. Äußerst raffiniert gelang hier die Vereinigung von Architektur und Natur durch Gestaltung und Gebrauch.